Zum Hauptinhalt springen

Klimadiskurs-Monitoring 2026: Wirtschaftsthemen haben sich in Klimadebatte verdreifacht

Studie Klimadiskurs Klimapolitik Common Ground
Dienstag, 14.04.2026
Klimapolitik wird zunehmend zur Standortfrage, Energiethemen stehen außer Streit, während bei Mobilität stark verschleppt wird. Das zeigt die dritte Ausgabe des Klimadiskurs-Monitorings des KONTEXT Instituts.

Seit 2023 hat kein anderes Thema im Klimadiskurs so stark an Relevanz gewonnen, wie die Verknüpfung von Standort- und Wirtschaftspolitik mit Klimapolitik. Besonders intensiv und konstruktiv wird weiterhin über Energiethemen gesprochen, was gerade auch im Lichte der aktuellen fossilen Energiekrise interessant ist. Zu diesem Ergebnis kommt die diesjährige Ausgabe des Klimadiskurs-Monitorings des KONTEXT Instituts. 

Die Auswertung einer repräsentativen Stichprobe klimapolitischer Aussagen, die von FORESIGHT erhoben und codiert wurde, zeigt, dass die Klimadebatte im Jahr 2025 insgesamt leiser wurde. Im Vergleich zum Jahr 2023 wurde in den untersuchten Medien um ein Viertel weniger über Klimapolitik berichtet. Unternehmen und Energiebranche wurden dabei lauter, die Zivilgesellschaft etwas leiser. Gleichzeitig blieb der Diskurs überwiegend konstruktiv. Die Notwendigkeit von Klimaschutz und insbesondere der Energiewende wird mittlerweile von fast allen relevanten Akteursgruppen anerkannt. 

Die wichtigsten Ergebnisse

Akteursgruppen

Politiker:innen prägen den Klimadiskurs weiterhin am stärksten (36 % aller Aussagen). Die Wissenschaft bleibt die wichtigste konstruktive Stimme (18 % aller Aussagen, 92% davon konstruktiv). Während zivilgesellschaftliche Akteur:innen und Aktivist:innen an Sichtbarkeit verlieren, gewinnen Unternehmen stark an Einfluss in der Debatte. Sie argumentieren zwar vergleichsweise verschleppend. Bei Energiethemen beteiligen sie sich jedoch konstruktiv.

Parteien

Die ÖVP äußert sich konstruktiv zu Energiethemen, verschleppt jedoch überdurchschnittlich durch wirtschaftspolitische Risikoargumente und Blockaden zentraler EU-Klimamaßnahmen. SPÖ und NEOS nehmen eine untergeordnete Rolle in der Klimadebatte ein. Die FPÖ dominiert den verschleppenden Diskurs, die Grünen den konstruktiven.

Themen

Energie ist das dominierende Thema (34 % aller Aussagen) und wird überwiegend konstruktiv diskutiert. Wirtschaftspolitik und Standortfragen gewinnen stark an Relevanz (13 % aller Aussagen) und verzeichnen den größten Zuwachs unter den Themenfeldern seit 2023. Mobilität ist das am stärksten verschleppte Thema (52 % der Aussagen). Hier gibt es immer noch viele Scheinlösungen im Diskurs.

Technologien

Bei konkreten Technologien stehen erneuerbare Energien im Mittelpunkt (41% der technologiebezogenen Aussagen). Über den Ausbau von Windkraft, Wasserkraft und Photovoltaik wird dabei überdurchschnittlich konstruktiv gesprochen, während bei Technologien im Verkehrssektor häufig verschleppt wird. 

Politische Ebene

Die österreichische Klimapolitik dominiert den medialen Diskurs (63 % der Aussagen mit geografischem Bezug). Gleichzeitig wird bei EU-Themen und Aussagen, die das Ausland betreffen, überdurchschnittlich verschleppt. Besonders häufig werden die USA und Deutschland als Negativbeispiele für Klimapolitik herangezogen. Konstruktive internationale Beispiele bleiben dagegen unterrepräsentiert.

Mit konstruktivem Diskurs von der Öl- und Gasabhängigkeit befreien

Die aktuelle Energiekrise zeigt, dass wir uns schnellstmöglich aus der Öl- und Gasabhängigkeit befreien müssen. Das erfordert einen nationalen Kraftakt – und es erfordert konstruktiven Diskurs, in dem Ökologisierung und Wirtschaftspolitik gemeinsam gedacht werden. Wie wir über Klimapolitik sprechen, entscheidet, welche politischen Entscheidungen getroffen werden. In diesem Sinne sind die Ergebnisse des Klimadiskurs-Monitorings 2026 ermutigend.

Hintergrund

Das Klimadiskurs-Monitoring 2026 ist die dritte systematische Analyse des medialen Klimadiskurses in Österreich durch das KONTEXT Institut. Anhand einer Political Claims Analysis wurde ermittelt, welche Akteursgruppen 2025 zu Wort kamen und welche Themen auf welche Art besprochen wurden. Die dritte Analyse ermöglicht nun nicht nur eine Momentaufnahme des Diskurses im letzten Jahr, sondern legt strukturelle Dynamiken offen

Mehr zum Thema

swiper-icon-prev
swiper-icon-next

30.03.2026

Newsflix Wien Wahl Vorschaubild1

KONTEXT-Plan: Wie sich Österreich aus der Öl- und Gasabhängigkeit befreien kann

Aufgrund des Öl- und Gaspreisschocks präsentiert das KONTEXT Institut einen umfassenden Plan zum Ausbau erneuerbarer Energien und der Elektrifizierung von Verkehr, Raumwärme und Industrie.

Analyse Erneuerbare Energie Klimapolitik Technologien Wirtschaft

15.03.2026

260316 Kurier Gastkommentar

Spritpreise: Mit Symptombekämpfung bleibt Energiekrise Dauerzustand

Die Antworten der Regierung auf die hohen Energiepreise sind nicht nur kurzsichtig, sondern fahrlässig. Ein Gastkommentar von Katharina Rogenhofer.

Kommentar Erneuerbare Energie Klimapolitik Mobilität

29.01.2026

Auf Bruch Umfrage Vorschaubild

Umfrage: Große Mehrheit für Aufbruch bei Ökologisierung

Eine neue Umfrage des KONTEXT Instituts zeigt: Die Menschen in Österreich erkennen die Wichtigkeit der Ökologisierung für Wohlstand und Sicherheit. Sie orten aktuell mangelnde politische Reformbereitschaft aber viel Potenzial in diesem Land.

Umfrage Erneuerbare Energie Klimapolitik Wirtschaft Sicherheit

25.01.2026

Pexels narcisa aciko 541222 1292464

Europas Sicherheit beginnt bei Energie und Rohstoffen

Wirkliche Unabhängigkeit entsteht nur, wenn wir Energie selbst erzeugen. Ein Gastkommentar von Katharina Rogenhofer.

Kommentar EU Erneuerbare Energie Klimapolitik

16.12.2025

2026 Jahr der Chancen

Warum 2026 beim Klima ein Jahr der Entscheidung für Europa wird

Am Dienstag beschloss die EU-Kommission aus Aus für das Verbrenner-Aus. Nach dem Klimagipfel in Brasilien der zweite Schlag in die Magengrube in diesem verkorksten 2026. Im nächsten Jahr steht beim Klima viel am Spiel. Wo die Risiken liegen und wo die Chancen.

Kommentar Klimapolitik EU

18.11.2025

D3c11ddf c7fc 42a9 b31b 0ecbf1b28e89.jpg

Weltklimagipfel: Warum noch mehr Bla Bla für Europa fatal wäre

Auf der Weltklimakonferenz geht es in dieser Woche um die Wurscht. Vor allem für Europa steht viel am Spiel. Der Kontinent droht zwischen dem Klimawandel-Leugner Trump und der neuen Energie-Supermacht China zerrieben zu werden. Was nun gefragt ist.

Kommentar Klimapolitik EU Klimakonferenzen

04.11.2025

Pexels pixabay 236722

Gas, Öl, Seltene Erden: So schaffen wir es raus aus der Erpressbarkeit

China nutzt seine Marktmacht bei Seltenen Erden. Russland übt mit Öl und Gas politischen Druck aus. Was hilft Österreich und dem Rest der Welt raus aus der Erpressbarkeit? Eine kluge Energiewende und Kreislaufwirtschaft, sagt Expertin Katharina Rogenhofer.

Kommentar Klimapolitik Sicherheit EU Wirtschaft

20.10.2025

Pexels pixabay 356036

So wurde Photovoltaik zum Welt-Hit (und das lernen wir daraus)

Erneuerbare Energien sind in Österreich und weltweit am Vormarsch. Das sorgt für positive Kipppunkte. Der Klimaschutz wird vorangetrieben, der Wirtschaft wachsen Flügel. Von der Politik bräuchte es nun nicht viel. Vor allem sollte sie nicht im Wege stehen.

Kommentar Klimapolitik Erneuerbare Energie Technologien