Studie: Wirtschaftsthemen haben sich in Klimadebatte verdreifacht
Klimapolitik wird zunehmend zur Standortfrage, Energiethemen stehen außer Streit, während bei Mobilität stark verschleppt wird. Das zeigt die dritte Ausgabe des Klimadiskurs-Monitorings des KONTEXT Instituts.
Seit 2023 hat kein anderes Thema im Klimadiskurs so stark an Relevanz gewonnen, wie die Verknüpfung von Standort- und Wirtschaftspolitik mit Klimapolitik. Besonders intensiv und konstruktiv wird weiterhin über Energiethemen gesprochen, was gerade auch im Lichte der aktuellen fossilen Energiekrise interessant ist. Zu diesem Ergebnis kommt die diesjährige Ausgabe des Klimadiskurs-Monitorings des KONTEXT Instituts.
Die Auswertung einer repräsentativen Stichprobe klimapolitischer Aussagen, die von FORESIGHT codiert wurde, zeigt, dass die Klimadebatte im Jahr 2025 insgesamt leiser wurde. Im Vergleich zum Jahr 2023 wurde in den untersuchten Medien um ein Viertel weniger über Klimapolitik berichtet. Gleichzeitig blieb der Diskurs überwiegend konstruktiv. Unternehmen und Energiebranche wurden dabei lauter, die Zivilgesellschaft etwas leiser. Die Notwendigkeit von Klimaschutz und insbesondere der Energiewende wird mittlerweile von fast allen relevanten Akteursgruppen anerkannt.
„Die aktuelle Energiekrise zeigt, dass wir uns schnellstmöglich aus der Öl- und Gasabhängigkeit befreien müssen. Das erfordert einen nationalen Kraftakt – und es erfordert konstruktiven Diskurs, in dem Ökologisierung und Wirtschaftspolitik gemeinsam gedacht werden. In diesem Lichte sind die Ergebnisse des Klimadiskurs-Monitorings sehr ermutigend”, sagt KONTEXT-Vorständin Tina Deutsch.
Stärkerer Fokus auf Energie und Standort, lautere Unternehmen
Die wichtigsten Ergebnisse:
- Akteursgruppen: Politiker:innen prägen den Klimadiskurs weiterhin am stärksten (36 % aller Aussagen). Die Wissenschaft bleibt die wichtigste konstruktive Stimme (18 % aller Aussagen, 92 % davon konstruktiv). Während zivilgesellschaftliche Akteur:innen und Aktivist:innen an Sichtbarkeit verlieren, gewinnen Unternehmen stark an Einfluss in der Debatte. Sie argumentieren zwar vergleichsweise verschleppend. Bei Energiethemen beteiligen sie sich jedoch konstruktiv.
- Parteien: Die ÖVP äußert sich konstruktiv zu Energiethemen, verschleppt jedoch überdurchschnittlich durch wirtschaftspolitische Risikoargumente und Blockaden zentraler EU-Klimamaßnahmen. SPÖ und NEOS nehmen eine untergeordnete Rolle in der Klimadebatte ein. Die FPÖ dominiert den verschleppenden Diskurs, die Grünen den konstruktiven.
- Themen: Energie ist das dominierende Thema (34 % aller Aussagen) und wird überwiegend konstruktiv diskutiert. Auch Wirtschaftspolitik und Standortfragen gewinnen stark an Relevanz (13 % aller Aussagen) und verzeichnen den größten Zuwachs unter den Themenfeldern seit 2023. Mobilität ist das am stärksten verschleppte Thema (52 % der Aussagen). Hier gibt es immer noch viele Scheinlösungen im Diskurs.
- Technologien: Bei konkreten Technologien stehen erneuerbare Energien im Mittelpunkt (41 % der technologiebezogenen Aussagen). Über den Ausbau von Windkraft, Wasserkraft und Photovoltaik wird dabei überdurchschnittlich konstruktiv gesprochen, während bei Technologien im Verkehrssektor häufig verschleppt wird.
- Politische Ebene: Die österreichische Klimapolitik dominiert den medialen Diskurs (63 % der Aussagen mit geografischem Bezug). Gleichzeitig wird bei EU-Themen und Aussagen, die das Ausland betreffen, überdurchschnittlich verschleppt. Besonders häufig werden die USA und Deutschland als Negativbeispiele für Klimapolitik herangezogen. Konstruktive internationale Beispiele bleiben dagegen unterrepräsentiert.
„Der Diskurs über Wirtschafts- und Standortpolitik in Verbindung mit Klimapolitik ist überwiegend konstruktiv und stellt die Chancen der Ökologisierung für Wohlstand und Sicherheit in den Mittelpunkt. Im verschleppenden Diskurs dominieren dagegen Ängste vor Veränderung und kurzfristige wirtschaftliche Risiken”, sagt KONTEXT-Studienautorin Anna Pixer, die diese Beobachtung mit beispielgebenden Zitaten in der Studie darstellt.
Tina Deutsch ergänzt: „Wie wir über Klimapolitik sprechen, entscheidet, welche politischen Entscheidungen getroffen werden. Die aktuelle Energiekrise bietet den besten Nährboden für eine neue Transformationsgeschichte, um das Land aus der kontinuierlichen Abhängigkeit zu befreien.”
Hintergrund
Das Klimadiskurs-Monitoring 2026 ist die dritte systematische Analyse des medialen Klimadiskurses in Österreich durch das KONTEXT Institut. Anhand einer Political Claims Analysis wurde ermittelt, welche Akteursgruppen 2025 zu Wort kamen und welche Themen auf welche Art besprochen wurden. Die dritte Analyse ermöglicht nun nicht nur eine Momentaufnahme des Diskurses im letzten Jahr, sondern legt strukturelle Dynamiken offen.