Wie die Kreislaufwirtschaft den Wirtschaftskreislauf stärken kann
Österreichs Industrie, das Herz unserer Wirtschaft, schwächelt: Keine Woche vergeht ohne eine Meldung über eine Werksschließung und Entlassungen. Österreichs ressourcenintensive und überwiegend lineare Wirtschaftsweise lässt große Potenziale ungenützt. Die gute Nachricht: Wir können den Wirtschaftskreislauf stärken – mit Kreislaufwirtschaft.
Eine neue Studie des KONTEXT Institut zeigt am Beispiel der ressourcen- und energieintensiven Sektoren Bau und Metall, dass Kreislaufwirtschaft maßgeblich zur Modernisierung der Industrie beitragen kann. Mit den richtigen Maßnahmen werden Rohstoffe, Energie und Emissionen gespart und gleichzeitig Arbeitsplätze und Wohlstand gesichert.
Ergebnisse im Detail
Die Basis der Studie liefert eine Modellierung des Umweltbundesamtes (UBA) und des Center of Economic Analysis and Research (CESAR) im Auftrag von KONTEXT. Das modellierte Szenario zeigt, dass eine Umsetzung zirkulärer Maßnahmen im Wohnbau- und Metallsektor bis 2040 im Vergleich zu einem Weiter-wie-bisher-Szenario eine umfassende Modernisierung der Industrie ermöglicht und erheblichen Mehrwert liefert:
- 29 Prozent geringerer Materialeinsatz im Wohnbau
- 7,8 Millionen Tonnen bzw. 20 Prozent weniger CO₂-Emissionen
- 21 TWh geringerer Einsatz fossiler Energieträger
- Elf Prozent niedrigere Energiepreise in der Metallindustrie und günstigere Outputpreise in Hochbau & Metallindustrie
- deutlich reduzierte Importe fossiler Energieträger und primärer Metallerze erhöhen die europäische Unabhängigkeit
- stabile gesamtwirtschaftliche Entwicklung: leicht positive Auswirkung auf das BIP und 3.500 zusätzliche Arbeitsplätze
Bau- und Metallsektor verantworten derzeit zusammen rund zwei Drittel des gesamten Ressourcenverbrauchs und damit maßgeblich den ökologischen Fußabdruck des Landes. Ihre Transformation entscheidet über den Erfolg einer zirkulären Wirtschaftsweise und über die Fähigkeit, industrielle Wertschöpfung mit Ressourcenschonung und Emissionsreduktion zu verbinden.
Notwendige politische Maßnahmen
Die Ergebnisse zeigen klar, dass Kreislaufwirtschaft nicht nur Klima und Umwelt schont, sondern auch günstigere heimische Produktion ermöglicht, die Resilienz der Industrie stärkt und sie so zukunftsfit macht. Damit die modellierten Potenziale realisiert werden können, leitet die Studie konkrete politische Maßnahmen als notwendige Rahmenbedingungen ab.
Für den Bausektor:
- Anreize und Förderung kreislauffähiger und biogener Baustoffe sowie Mindestquoten für Recyclingbaustoffe bei Neubau und Sanierung
- Gleichstellung von Sekundärrohstoffen mit Primärrohstoffen
- Gezielte Maßnahmen für eine höhere Sanierungsrate
- Abbau regulatorischer Hürden für Nutzungsänderungen von Gebäuden, Umbauten und Wiederverwendung von Bauteilen
- Verbindliche Vorgaben für Demontierbarkeit und Materialtransparenz (digitaler Gebäudepass)
- Obergrenze für Flächenversiegelung, Leerstandsabgabe und stadtplanerische Priorisierung von Sanierung, Nachverdichtung und Bestandsnutzung
Für den Stahl- und Metallsektor:
- Langfristig gesicherte Versorgung mit günstigem sauberem Strom durch Ausbau von Windkraft, Photovoltaik, Netzen und Speichern
- Leitmärkte für emissionsarmen und recycelten Stahl durch öffentliche Beschaffung, Produktstandards oder Klimaschutzverträge
- Planungssicherheit bei CO₂-Preisen als Investitionssignal
- Höhere Schrottverfügbarkeit durch Qualitätsstandards sowie klare Vorgaben für Separation, Demontage und Rückgewinnung
Die Potenziale sind enorm, die Umsetzung bleibt bisher jedoch deutlich hinter den Ambitionen zurück. Einige der notwendigen Maßnahmen stehen zwar im aktuellen Regierungsprogramm. Wenn Österreich bei der Kreislaufwirtschaft tatsächlich eine Vorreiterrolle einnehmen soll, müssen diese Maßnahmen rasch umgesetzt werden. Das beginnt mit einer grundlegenden Reform des Abfallwirtschaftsgesetzes. Auch auf EU-Ebene, wo in den kommenden Jahren wichtige Maßnahmen anstehen, muss Österreich eine gestaltende Rolle einnehmen. Um den vollen Mehrwert der Kreislaufwirtschaft zu entfalten, muss sie eine zentrale Säule der Industriestrategie sein.