Zum Hauptinhalt springen

EU-Klimaziel 2040: Der Teufel steckt im Detail

Einordnung Klimapolitik EU Klimaziele Klimadiskurs
Freitag, 09.02.2024
Am Dienstag, den 06.02.24 wurde von der EU-Kommission ein Entwurf für das nächste Klimaziel vorgelegt: Bis 2040 soll der Treibhausgas-Ausstoß in der EU um 90 Prozent gegenüber 1990 sinken. Damit folgt die Kommission dem Vorschlag des wissenschaftlichen Beirats der EU. Ein wichtiger Schritt in Richtung Klimaneutralität bis 2050 ist es also. Aber: Das Ziel allein lässt viel Spielraum bei der Ausgestaltung – der Teufel steckt im Detail.

Konkrete Vorgaben, wie stark einzelne Sektoren wie Industrie, Landwirtschaft, Gebäude und Verkehr ihre Emissionen reduzieren sollen, fehlen

Damit ist die Gefahr groß, dass Verantwortung von einem Sektor zum anderen abgeschoben wird und niemand planen kann. Auch wie das neue Ziel erreicht werden soll, lässt Lücken offen. Vorgesehen ist, einen beachtlichen Teil der Treibhausgase weiterhin auszustoßen, aber danach wieder zu binden: Einerseits über Wälder und Böden – Flächen, die CO₂ auf natürlichen Weg wieder aufnehmen. Deren Kapazität wird jedoch häufig überschätzt. Andererseits sollen über technische Lösungen (etwa „Carbon Capture and Storage/Utilization“) Treibhausgase aus der Luft geholt werden. Das Problem: diese Technologien sind zum Teil nur beschränkt marktreif. Wird ihre Rolle überbetont, könnte es dazu kommen, dass bereits vorhandene und effiziente Lösungen (z. B. erneuerbare Energien) nicht ausreichend ausgebaut werden. Aus einem früheren Entwurf verschwunden sind handfeste Beiträge der Landwirtschaft: Wie stark landwirtschaftliche Treibhausgase wie Methan sinken sollen, bleibt offen. 

Das Ziel allein lässt viel Spielraum bei der Ausgestaltung – der Teufel steckt im Detail.

Noch ist das Ziel für 2040 lediglich ein Entwurf. Die Verhandlungen werden erst nach der EU-Wahl starten. Da sich sowohl die Karten im Parlament als auch in der Kommission neu mischen, besteht die Gefahr, dass das wissenschaftlich fundierte Ziel dann weiter verwässert wird. Einige Interessengruppen und Länder versuchen bereits jetzt, konkrete Beiträge und Verbindlichkeiten zu schwächen. Gerade im Wahlkampf wird das Thema auch zur Profilschärfung und Polarisierung einzelner Parteien verwendet werden.

Um Scheinlösungen zu vermeiden, ist eine faktenorientierte Diskussion notwendig und vor allem: genau hinzuschauen, wie das neue EU-Klimaziel für 2040 nun in verbindliche Ziele gegossen wird.

Mehr zum Thema

swiper-icon-prev
swiper-icon-next

21.05.2026

Kreislaufwirtschaft – unsere Studien auf einen Blick

In drei aktuellen Studien zeigt das KONTEXT Institut das transformative Potenzial der Kreislaufwirtschaft – für wirtschaftliche Modernisierung, Wettbewerbsfähigkeit und Sicherheit.

Studie Kreislaufwirtschaft Sicherheit EU Wirtschaft Technologien Industrie Unternehmen

21.05.2026

Budgetkürzungen – wenn, dann richtig!

Nicht einseitig bei E-Autos zu sparen wäre gut. Klimaschädliche Subventionen im Ver­kehr zu ökologisieren wäre besser.

Kommentar Erneuerbare Energie Klimapolitik Mobilität Budget

12.05.2026

Studie: Kritische Rohstoffe – von Abhängigkeit zu Sicherheit

Die Abhängigkeit von kritischen Rohstoffen birgt Risiken für die Versorgungssicherheit in Europa und die heimische Wirtschaft. Kreislaufwirtschaft bietet die wirksamsten Maßnahmen gegen diese Verwundbarkeit.

Studie Kreislaufwirtschaft Sicherheit EU Wirtschaft

11.05.2026

Die Windkraft schlecht zu reden, können wir uns nicht leisten

Wie wir über die Energiewende sprechen, entscheidet, ob sie stattfindet oder nicht. Ein Appell für eine lösungsorientierte Debatte – vor allem über die Windkraft.

Kommentar Erneuerbare Energie Klimapolitik

14.04.2026

Klimadiskurs-Monitoring 2026: Wirtschaftsthemen haben sich in Klimadebatte verdreifacht

Klimapolitik wird zunehmend zur Standortfrage, Energiethemen stehen außer Streit, während bei Mobilität stark verschleppt wird. Das zeigt die dritte Ausgabe des Klimadiskurs-Monitorings des KONTEXT Instituts.

Studie Klimadiskurs Klimapolitik Common Ground

30.03.2026

KONTEXT-Plan: Wie sich Österreich aus der Öl- und Gasabhängigkeit befreien kann

Aufgrund des Öl- und Gaspreisschocks präsentiert das KONTEXT Institut einen umfassenden Plan zum Ausbau erneuerbarer Energien und der Elektrifizierung von Verkehr, Raumwärme und Industrie.

Analyse Erneuerbare Energie Klimapolitik Technologien Wirtschaft

15.03.2026

Spritpreise: Mit Symptombekämpfung bleibt Energiekrise Dauerzustand

Die Antworten der Regierung auf die hohen Energiepreise sind nicht nur kurzsichtig, sondern fahrlässig. Ein Gastkommentar von Katharina Rogenhofer.

Kommentar Erneuerbare Energie Klimapolitik Mobilität

20.02.2026

Klimapolitik: Strukturwandel gestalten statt ignorieren

Die Ökologisierung ist nicht der Sündenbock für die wirtschaftlichen Herausforderungen. Sie ist der Ausweg daraus. Von Katharina Rogenhofer und Christoph Badelt (Präsident des Produktivitäts- und des Fiskalrats).

Kommentar Sicherheit Kreislaufwirtschaft EU