Dieser Text erschien als Gastkommentar am 29. Jänner 2026 in der Kleinen Zeitung.
Das neue „Risikobild 2026“ des Bundesheers ist nicht nur eine wichtige Übersicht von Bedrohungen. Es ist vor allem ein wichtiger Impuls, Sicherheit umfassender zu denken und politische Entscheidungen auch jenseits klassischer Verteidigungsfragen strategisch zu treffen. Die „systemische Unordnung“, die das Bundesheer benennt, macht uns vielfach verletzlich. Zwei Bereiche, die der Bericht anschneidet, sind die Energie- und Rohstoffversorgung unseres Landes.
Im Energiebereich ist Österreich als Importeur von russischem Öl und Gas zwar nicht mehr der Erpressbarkeit Moskaus ausgesetzt. Doch der wachsende Rückgriff auf Flüssiggas aus den USA zeigt, wie rasch alte Abhängigkeiten einfach durch neue ersetzt werden. Diversifizierung kann zwar kurzfristig entlasten, wirkliche Sicherheit entsteht aber nur dort, wo Energie verlässlich im eigenen Land erzeugt wird. Das erfordert den raschen Ausbau erneuerbarer Energien und die konsequente Elektrifizierung von Verkehr, Industrie und Heizungen.
Auch bei Rohstoffen sind wir empfindlich abhängig – etwa von Lithium, Kobalt oder seltenen Erden, die gerade für elektronische Anwendungen notwendig sind. China hat im vergangenen Jahr vorgeführt, wie schnell diese Abhängigkeiten durch Exportkontrollen politisch instrumentalisiert werden können. Die Lehren daraus sind eindeutig. Erstens muss Europa zentrale Zukunftstechnologien entwickeln, die am besten ohne kritische Rohstoffe auskommen. Zweitens müssen wir Rohstoffe besser, das heißt mehrfach, nutzen – Stichwort: Kreislaufwirtschaft. Diese ist, genauso wie die Energiewende und saubere Zukunftstechnologien, kein ökologisches Nischenprojekt, sondern ein sicherheitspolitisches Gebot.