Zum Hauptinhalt springen

EABG: Was im Begutachtungsentwurf steht und was nicht

Einordnung Erneuerbare Energie Klimapolitik Technologien
Dienstag, 09.09.2025
Das Erneuerbaren-Ausbau-Beschleunigungsgesetz (EABG) ist in der Fassung des Begutachtungsentwurfs nur teilweise in der Lage den Erneuerbaren-Ausbau ausreichend zu beschleunigen. Die KONTEXT-Analyse zeigt: Ambitionierte Ausbau-Ziele fehlen und Bundesländer werden nicht in die Pflicht genommen.

Um langfristig eine günstige, sichere und saubere Energieversorgung sicherzustellen, braucht es einen ambitionierten Ausbau von erneuerbaren Energien, Netzen und Speichern. Ein wirksames Erneuerbaren-Ausbau-Beschleunigungs-Gesetz (EABG) ist ein zentrales politisches Instrument, um Genehmigungsverfahren zu erleichtern und Beschleunigungsgebiete auszuweisen. 

Worum geht’s? 

Das EABG soll die EU-Erneuerbaren-Richtlinie (RED-III) in nationales Recht überführen. In der EU sollen bis 2030 bis zu 45 Prozent des Endenergieverbrauchs aus erneuerbaren Energiequellen gedeckt werden. Österreich strebt gemäß dem Nationalen Energie und Klimaplan (NEKP) einen Anstieg auf mindestens 57 Prozent bis 2030 an. Zum Vergleich: 2023 lag dieser Wert bei 41 Prozent. 

Genehmigungsverfahren sind ein zentrales Steuerungsinstrument für Qualität, Transparenz und gesellschaftliche Teilhabe an Energieprojekten. Doch durch lange Verfahrenszeiten – Umweltverträglichkeitsprüfungen dauern im Median mehr als 22 Monate – werden sie zum Flaschenhals der Energiewende. 

Die Ursachen für die Verzögerungen sind vielfältig, aber selten auf eine Akteursgruppe oder das Verfahren selbst zurückzuführen. Vielmehr sind es meist strukturelle Defizite, wie unvollständige Unterlagen seitens der Projektwerbenden, personeller Ressourcenmangel in Landesbehörden, fehlende Flächen und Koordination der Bundesländer, sowie mangelnde öffentliche Akzeptanz, die den Verfahrensprozess in die Länge ziehen. Diese Problemfelder lassen sich mit den richtigen Maßnahmen beheben. 

Ein ambitioniertes EABG ist eine davon. Ein erster Entwurf des Gesetzes wurde von der Bundesregierung nun, am 9. September 2025, in Begutachtung geschickt. KONTEXT hat die Begutachtungsentwurf analysiert. 

Was im Begutachtungsentwurf steht 

Positiv hervorzuheben ist, dass “alle Vorhaben der Energiewende” fortan von “überragendem öffentlichen Interesse” sein sollen und der Ausbau der erneuerbaren Energie damit rechtlich einen besonders hohen Stellenwert bekommt. Zudem werden alle Verfahren, die nicht-UVP pflichtige Technologien – wie kleine PV-Anlagen und Speicher – betreffen, gebündelt. Diese “One-Stop-Shops" können, bei guter Umsetzung, zur Beschleunigung des Ausbaus beitragen.  

Die Bundesländer werden außerdem verpflichtet, Beschleunigungsgebiete für Windkraft und Photovoltaik ausweisen. Das ist zentral, schließlich verantworten die Länder die Flächenausweisung und Genehmigungsverfahren. Die konkreten Ziele für den Ausbau sind jedoch rückschrittlich. Denn der Entwurf hinkt nicht nur den Notwendigkeiten der Energiewende, sondern auch den andernorts – z.B. im Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz oder dem Österreichischen Netzinfrastrukturplan – festgelegten Zielen hinterher. Außerdem sind weder Steuerungsmechanismen noch Konsequenzen enthalten, für den Fall, dass Ziele verpasst werden. 

2025 Monat xxxx KONTEXT1

Grundsätzlich positiv ist, dass eine Strategische Umweltprüfung (SUPs) für Beschleunigungsgebiete künftig mehrere Umweltverträglichkeitsprüfungen (UVPs) für einzelne Energieprojekte ersetzen kann. Offen bleibt hier, wie gut die verbindlichen Kriterien und Standards der UVPs in SUPs gewahrt bleiben. Kontraproduktiv ist dagegen, dass der Gesetzesentwurf keine UVP in Fällen vorsieht, in denen unerwartet erhebliche Umweltauswirkungen durch Einzelprojekte zu befürchten sind. 

20250715 El WG EABG Check KONTEXT

Fazit 

Das EABG bündelt kleine Verfahren und macht Gesamtprüfungen von Beschleunigungsgebieten möglich. Das macht Energie-Genehmigungsverfahren in vielerlei Hinsicht effizienter und trägt dazu bei, dass sich Österreich künftig mit sauberer und leistbarer Energie versorgen kann. Jedoch hinkt der Gesetzesentwurf den bisherigen Ausbau-Zielen hinterher. Die Regierung verpasst die Chance, die Bundesländer in die Pflicht zu nehmen. Um den Erneuerbaren-Ausbau ausreichend zu beschleunigen, muss das Gesetz gerade hier ambitionierter und verbindlicher werden. 

Für einen effizienten Ausbau erneuerbarer Energien sind neben dem EABG aber noch weitere Maßnahmen notwendig.

  • Mehr personelle Ressourcen bei Behörden: Anzahl der Sachverständigen und Verfahrensleiter:innen erhöhen   
  • Bundeslandübergreifende Arbeit von Sachverständigen ermöglichen, um Engpässe auszugleichen   
  • Verbesserung bundeslandübergreifender Prozesse und Harmonisierung rechtlicher Grundlagen  
  • Frühzeitige hochwertige Einbindung der Öffentlichkeit bei Ausbau-Projekten sicherstellen, Formate erweitern (z.B. runde Tische, Informationsveranstaltungen)  
  • Klarheit bei Kriterien & Anforderungen, die für vollständige Unterlagen neuer EE-Projekte notwendig sind, Klarheit bei Begrifflichkeiten. 

 

Mehr zum Thema

swiper-icon-prev
swiper-icon-next

24.02.2026

Vorschaubild Kreislaufwirtschaft Wettbewerb

Studie: Kreislaufwirtschaft als Pulsgeber für Österreichs Wettbewerbsfähigkeit

Die Kreislaufwirtschaft kommt in der Industriestrategie prominent vor. Eine neue Studie des KONTEXT Instituts zeigt, wie Österreich vom Kreislaufwirtschafts-Pionier zum Pulsgeber in Europa werden kann und wie durch die Wettbewerbssteigerung die gesamte Wirtschaft profitiert.

Studie Kreislaufwirtschaft Unternehmen Technologien

29.01.2026

Auf Bruch Umfrage Vorschaubild

Umfrage: Große Mehrheit für Aufbruch bei Ökologisierung

Eine neue Umfrage des KONTEXT Instituts zeigt: Die Menschen in Österreich erkennen die Wichtigkeit der Ökologisierung für Wohlstand und Sicherheit. Sie orten aktuell mangelnde politische Reformbereitschaft aber viel Potenzial in diesem Land.

Umfrage Erneuerbare Energie Klimapolitik Wirtschaft Sicherheit

25.01.2026

Pexels marcin jozwiak 199600 3634730

Sicherheitspolitisches Gebot

Österreich muss angesichts der düsteren Weltlage endlich ökologisch und ökonomisch umdenken. Von Katharina Rogenhofer.

Kommentar Sicherheit Kreislaufwirtschaft Erneuerbare Energie EU

25.01.2026

Pexels narcisa aciko 541222 1292464

Europas Sicherheit beginnt bei Energie und Rohstoffen

Wirkliche Unabhängigkeit entsteht nur, wenn wir Energie selbst erzeugen. Ein Gastkommentar von Katharina Rogenhofer.

Kommentar EU Erneuerbare Energie Klimapolitik

16.12.2025

2026 Jahr der Chancen

Warum 2026 beim Klima ein Jahr der Entscheidung für Europa wird

Am Dienstag beschloss die EU-Kommission aus Aus für das Verbrenner-Aus. Nach dem Klimagipfel in Brasilien der zweite Schlag in die Magengrube in diesem verkorksten 2026. Im nächsten Jahr steht beim Klima viel am Spiel. Wo die Risiken liegen und wo die Chancen.

Kommentar Klimapolitik EU

02.12.2025

2025 Kontextanalyse 5 Kreislaufwirtschaft Wohlstand Vorschaubild

Wie die Kreislaufwirtschaft den Wirtschaftskreislauf stärken kann

Eine neue Studie des KONTEXT Instituts zeigt, dass Kreislaufwirtschaft die Modernisierung der Industrie vorantreiben kann und gleichzeitig Rohstoffe, Emissionen und Energie spart. Die Regierung hinkt, trotz Versprechen, in der Umsetzung hinterher. So bleiben große Potenziale ungenutzt. Die Industriestrategie ist eine gute Gelegenheit, das zu ändern.

Studie Kreislaufwirtschaft Wirtschaft Industrie Technologien

18.11.2025

D3c11ddf c7fc 42a9 b31b 0ecbf1b28e89.jpg

Weltklimagipfel: Warum noch mehr Bla Bla für Europa fatal wäre

Auf der Weltklimakonferenz geht es in dieser Woche um die Wurscht. Vor allem für Europa steht viel am Spiel. Der Kontinent droht zwischen dem Klimawandel-Leugner Trump und der neuen Energie-Supermacht China zerrieben zu werden. Was nun gefragt ist.

Kommentar Klimapolitik EU Klimakonferenzen

04.11.2025

Pexels pixabay 236722

Gas, Öl, Seltene Erden: So schaffen wir es raus aus der Erpressbarkeit

China nutzt seine Marktmacht bei Seltenen Erden. Russland übt mit Öl und Gas politischen Druck aus. Was hilft Österreich und dem Rest der Welt raus aus der Erpressbarkeit? Eine kluge Energiewende und Kreislaufwirtschaft, sagt Expertin Katharina Rogenhofer.

Kommentar Klimapolitik Sicherheit EU Wirtschaft