Zum Hauptinhalt springen

KONTEXT-Plan: Wie sich Österreich aus der Öl- und Gasabhängigkeit befreien kann

Analyse Erneuerbare Energie Klimapolitik Technologien Wirtschaft
Montag, 30.03.2026
Aufgrund des Öl- und Gaspreisschocks präsentiert das KONTEXT Institut einen umfassenden Plan zum Ausbau erneuerbarer Energien und der Elektrifizierung von Verkehr, Raumwärme und Industrie.

Bereits zum zweiten Mal binnen weniger Jahre müssen die Haushalte und Unternehmen in Österreich die teure Rechnung für unsere Öl- und Gasabhängigkeit zahlen. Damit die fossile Energiekrise nicht zum Dauerzustand wird, muss sich Österreich schnellstmöglich aus der Öl- und Gasabhängigkeit befreien. Alle Voraussetzungen, um zu verhindern, dass fossile Energieträger weiter unseren Wohlstand zerfressen, hat Österreich bereits. 

Das KONTEXT Institut hat dafür einen umfassenden „Befreiungsplan“ zusammengestellt. Das Ziel ist die vollständige Energiewende – also den Ausbau erneuerbarer Energien und die Elektrifizierung von Verkehr, Raumwärme und Industrie – zu beschleunigen.  

Maßnahmen des Befreiungsplans im Detail

Gesetzliche Rahmenbedingungen 

  • Ambitionierte und verbindliche Ausbauziele für Bundesländer festlegen samt Sanktionen bei Nicht-Einhaltung (EABG)
    • ÖNIP-Ziele 2030 (39 TWh) statt EAG-Ziel (27 TWh) als Maßstab
  • Effiziente  Genehmigungsverfahren durch Aufstockung des Personals in Behörden
    • Anzahl der Sachverständigen und Verfahrensleiter:innen erhöhen  
    • Bundeslandübergreifende Arbeit von Sachverständigen ermöglichen, um Engpässe auszugleichen
  • Enddatum für Gas- und Ölheizungen im Bestand und Dekarbonisierung der Fernwärme auf 2040 festlegen (Erneuerbaren-Wärme-Gesetz)
  • Konsequente Umsetzung des ElWG
  • Durch öffentliche Beschaffung Leitmärkte für Kreislaufwirtschaft und saubere Zukunftstechnologien „Made in EU“ schaffen 

Finanzpolitische Maßnahmen 

  • Förderprogramme für Sanierung, Heizungstausch und Speicher ausweiten
    • unmittelbare konjunkturelle Effekte, in Form von Aufträgen für Handwerker:innen und KMUs
  • Pendlerpauschale und Dienstwagenprivileg in Mobilitätsbudget umwandeln und Öffi-Ticketpreise senken
  • Transformationsfonds für Industrie ausweiten
  • E-Mobilitäts-Offensive in Österreich
    • Ende aller Verbrenner-Förderungen (NoVA-Ausnahmen, MÖSt-Rabatte)
    • Steuerliche Erleichterungen für E-Mobilität (NoVA Abschaffen)
    • Bessere (Schnell-)Ladeinfrastruktur
  • Beiträge zur Gegenfinanzierung:
    • Ökologisierung klimaschädlicher Subventionen
      • Unmittelbare Reform des Dienstwagenprivilegs und Pendlerpauschale (gesamt 500 Mio Euro/Jahr)
      • Dieselprotektionismus: Schrittweise Abschaffung nach Ende der temporären MÖSt-Senkung durch die Spritpreisbremse (500 Mio Euro/Jahr)
    • Einnahmen aus CO2-Bepreisung zweckwidmen
      • Staatseinnahmen 2025: 1,7 Mrd Euro aus ETS1 und CO2-Preis

Die Maßnahmen wirken mittel- bis langfristig. Kurzfristig können die bereits beschlossene Spritpreisbremse und der Industriestrompreis (ab 2027) Abhilfe schaffen. Zusätzlich könnte ein temporärer Energiekostenzuschuss für armutsgefährdete Haushalte notwendig sein. Um den Spritverbrauch zu verringern und Kosten unmittelbar zu reduzieren, wäre ein Tempolimit auf den Straßen (100/80/30) eine äußerst wirkungsvolle und budgetneutrale Maßnahme. 

Alle diese Maßnahmen haben positive konjunkturelle Effekte – ganz im Gegensatz zu den Importen von fossilen Energieträgern. 2025 beliefen sich diese Höhe dieser Importe auf 7,85 Milliarden Euro. 2022, im Jahr des russischen Überfalls auf die Ukraine, lag dieser Wert bei 19,45 Milliarden Euro. Dieses Geld, das Österreich jährlich für Öl und Gas an autokratische Regime überweist, fließen ohne jegliche Wertschöpfung für die heimische Wirtschaft ab. Die Ökologisierung senkt dagegen die Energiekosten für Haushalte dauerhaft, füllt die Auftragsbücher von Handwerk:innen und hilft der Industrie zu neuer Wettbewerbsfähigkeit. 

Mehr zum Thema

swiper-icon-prev
swiper-icon-next

15.03.2026

260316 Kurier Gastkommentar

Spritpreise: Mit Symptombekämpfung bleibt Energiekrise Dauerzustand

Die Antworten der Regierung auf die hohen Energiepreise sind nicht nur kurzsichtig, sondern fahrlässig. Ein Gastkommentar von Katharina Rogenhofer.

Kommentar Erneuerbare Energie Klimapolitik Mobilität

24.02.2026

Vorschaubild Kreislaufwirtschaft Wettbewerb

Studie: Kreislaufwirtschaft als Pulsgeber für Österreichs Wettbewerbsfähigkeit

Die Kreislaufwirtschaft kommt in der Industriestrategie prominent vor. Eine neue Studie des KONTEXT Instituts zeigt, wie Österreich vom Kreislaufwirtschafts-Pionier zum Pulsgeber in Europa werden kann und wie durch die Wettbewerbssteigerung die gesamte Wirtschaft profitiert.

Studie Kreislaufwirtschaft Unternehmen Technologien

29.01.2026

Auf Bruch Umfrage Vorschaubild

Umfrage: Große Mehrheit für Aufbruch bei Ökologisierung

Eine neue Umfrage des KONTEXT Instituts zeigt: Die Menschen in Österreich erkennen die Wichtigkeit der Ökologisierung für Wohlstand und Sicherheit. Sie orten aktuell mangelnde politische Reformbereitschaft aber viel Potenzial in diesem Land.

Umfrage Erneuerbare Energie Klimapolitik Wirtschaft Sicherheit

25.01.2026

Pexels marcin jozwiak 199600 3634730

Sicherheitspolitisches Gebot

Österreich muss angesichts der düsteren Weltlage endlich ökologisch und ökonomisch umdenken. Von Katharina Rogenhofer.

Kommentar Sicherheit Kreislaufwirtschaft Erneuerbare Energie EU

25.01.2026

Pexels narcisa aciko 541222 1292464

Europas Sicherheit beginnt bei Energie und Rohstoffen

Wirkliche Unabhängigkeit entsteht nur, wenn wir Energie selbst erzeugen. Ein Gastkommentar von Katharina Rogenhofer.

Kommentar EU Erneuerbare Energie Klimapolitik

16.12.2025

2026 Jahr der Chancen

Warum 2026 beim Klima ein Jahr der Entscheidung für Europa wird

Am Dienstag beschloss die EU-Kommission aus Aus für das Verbrenner-Aus. Nach dem Klimagipfel in Brasilien der zweite Schlag in die Magengrube in diesem verkorksten 2026. Im nächsten Jahr steht beim Klima viel am Spiel. Wo die Risiken liegen und wo die Chancen.

Kommentar Klimapolitik EU

02.12.2025

2025 Kontextanalyse 5 Kreislaufwirtschaft Wohlstand Vorschaubild

Wie die Kreislaufwirtschaft den Wirtschaftskreislauf stärken kann

Eine neue Studie des KONTEXT Instituts zeigt, dass Kreislaufwirtschaft die Modernisierung der Industrie vorantreiben kann und gleichzeitig Rohstoffe, Emissionen und Energie spart. Die Regierung hinkt, trotz Versprechen, in der Umsetzung hinterher. So bleiben große Potenziale ungenutzt. Die Industriestrategie ist eine gute Gelegenheit, das zu ändern.

Studie Kreislaufwirtschaft Wirtschaft Industrie Technologien

18.11.2025

D3c11ddf c7fc 42a9 b31b 0ecbf1b28e89.jpg

Weltklimagipfel: Warum noch mehr Bla Bla für Europa fatal wäre

Auf der Weltklimakonferenz geht es in dieser Woche um die Wurscht. Vor allem für Europa steht viel am Spiel. Der Kontinent droht zwischen dem Klimawandel-Leugner Trump und der neuen Energie-Supermacht China zerrieben zu werden. Was nun gefragt ist.

Kommentar Klimapolitik EU Klimakonferenzen