Abhängigkeiten reduzieren
Um die Abhängigkeit bei kritischen Rohstoffen zu reduzieren, setzte die EU bisher Rahmenbedingungen, um Importländer zu diversifizieren, den Eigenabbau zu fördern und das Recycling kritischer Rohstoffe zu steigern. Die Diversifizierung scheitert aber bei vielen Rohstoffen an mangelnden alternativen Lieferquellen. Der Eigenabbau ist oft politisch unerwünscht und löst das Problem nicht, solange nachgelagerte Verarbeitungsschritte weiterhin außerhalb Europas stattfinden. Auch Recycling ist derzeit begrenzt: Neun der 17 strategischen Rohstoffen werden bisher kaum recycelt. Zudem schränken die fehlenden Verarbeitungskapazitäten die Wirksamkeit des Recyclings in der EU ein.
Notwendig ist daher ein Mix an politischen Maßnahmen, die über die Angebotsseite hinausgehen und alle Hebel der Kreislaufwirtschaft nutzen. Die Analyse identifiziert fünf zentrale Strategien mit sehr hohem Potenzial:
- Reduktion des Rohstoffbedarfs durch Entkopplung, ohne die Bedarfsdeckung oder wirtschaftliche Dynamik zu schmälern (z. B. durch Ausbau öffentlicher Verkehrsmittel, Carsharing, Sanierung oder Energieeffizienzmaßnahmen),
- Steigerung der Materialeffizienz bzw. Ersatz mit zirkulären Materialien. Potential gibt es z. B. durch Leichtbau und Miniaturisierung in der stark betroffenen Automobil- und Stahlindustrie oder verbindliche und marktgerechte Ökodesign-Standards in kritischen Produktgruppen,
- Erhöhung der Produktlanglebigkeit. Potential gibt es z. B. durch „Recht auf Reparatur“ wo technisch machbar und ökonomisch sinnvoll, modulare und standardisierte Bauweisen oder Leihmodelle,
- Wiederverwendung von Produkten und Komponenten (z. B. Zweitnutzung von Batterien elektrischer Fahrzeuge oder modulare Stahlkonstruktionen)
- Ausbau des Recyclings (z. B. Elektronikschrott, Bauabfälle, seltene Erden aus Permanentmagneten)
Politische Maßnahmen notwendig, um Potenzial zu heben
Kreislaufwirtschaft muss in den besonders betroffenen Sektoren und in der Gesamtwirtschaft gestärkt werden. Essenziell sind neben dem Ausbau von Recyclingkapazitäten auch einheitliche Produktstandards für Materialeffizienz und Zirkularität und entsprechende Kriterien in der öffentlichen Beschaffung, die Umsetzung der EU-Energieeffizienzrichtlinie und die Förderung von Reparaturen. Um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten, braucht es also einen Paradigmenwechsel auf politischer Ebene.