Trotz dieser Pionierstellung kann Österreichs Wirtschaft derzeit dieses Wettbewerbspotenzial nicht voll nutzen. Strukturelle Preisnachteile von Sekundärrohstoffen gegenüber Primärmaterialien, fehlende Standardisierung sowie regulatorische Ungleichbehandlungen bremsen die Skalierung kreislauforientierter Geschäftsmodelle.
Notwendige politische Maßnahmen
Um das zu ändern sind verlässliche politische Rahmenbedingungen entscheidend. Eine eigens für die Studie durchgeführte Umfrage unter führenden Kreislaufwirtschaftsunternehmen sowie Expert:inneninterviews zeigen, welche zusätzlichen Maßnahmen dafür notwendig sind:
- Abfallrecht grundlegend reformieren, um die rechtliche Gleichstellung von qualitätsgesicherten Sekundärmaterialien gegenüber Primärrohstoffen sicherzustellen
- Mindestanteil an Recyclingmaterial verankern, um verlässliche Nachfrage nach Sekundärrohstoffen zu schaffen und Leitmärkte für zirkuläre Produkte aufzubauen.
- CO₂-Bepreisung weiterführen, um Kostenunterschiede zwischen Primär- und Sekundärrohstoffen zu verringern und faire Wettbewerbsbedingungen zu schaffen.
Fazit
Durch steigende Rohstoffpreise, zunehmende Lieferkettenrisiken und eine wachsende Nachfrage nach CO₂-armen Produkten gewinnt die Kreislaufwirtschaft zunehmend an Bedeutung. Dass sie in der Industriestrategie 2035 prominent vorkommt, zeigt, dass die Bundesregierung ihr Potenzial erkannt hat. Österreich ist in vielen Feldern der Kreislaufwirtschaft bereits Pionier. Werden technologische Stärken konsequent mit gezielten politischen Rahmenbedingungen unterstützt, kann Kreislaufwirtschaft zum Pulsgeber für Österreichs Wettbewerbsfähigkeit werden, und damit heimische Wertschöpfung, Innovationen und Exporte steigern sowie Arbeitsplätze schaffen. Mit einem gezielten Recyclingboost ist Österreich nicht nur am Puls, sondern wird der Puls der Mehrweg-Zukunft – in Europa und der Welt.